Wirtschaftpolitischer Kongress: Podium Steuern und Beschäftigung

  
 

Dr. Stefan Bach DIW, Christine Scheel MdB, Siegmar Mosdorf CNC AG

Wir brauchen attraktive steuerliche Bedingungen für Unternehmen und mobiles Kapital, um als Standort für die Umsetzung innovativer Ideen und damit für Investitionen in Wachstum und Arbeit attraktiv zu sein. So der Tenor des Podiums am 18. November in Berlin, das von Christine Scheel moderiert wurde.

Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) analysierte Trends und Perspektiven der Steuerpolitik. Globalisierung und Individualisierung steigern die Mobilität von Unternehmen und Kapital, die Steuer- und Abgabenbelastung wird zum Standortfaktor. Mobile Faktoren können nicht mehr hoch belastet werden.

Die Steuer- und Abgabenlast steigt für die Beschäftigten und sinkt im Trend für die Unternehmen. Provokativ extrapolierte Stefan Bach den Trend zur abnehmenden Unternehmenssteuerbelastung, so dass sie im Jahr 2045 bei Steuersatz NULL liegen könnte.

Stagnierende Reallöhne, der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft mit weniger sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und der höhere Anteil Älterer führt zur Erosion der sozialen Sicherungssysteme und auch der öffentlichen Haushalte . Diese Finanzierungsprobleme werden bislang durch steigende indirekte Steuern (Mehrwertsteuer, Ökosteuer, Versicherungssteuer, Tabaksteuer) aufgefangen bei sinkender effektiver Steuer- und Abgabenbelastung der Unternehmen. Das ist ein europaweiter Trend.

Daneben steht der Trend vom Steuerstaat zum Gebührenstaat, die Bürger werden künftig mehr staatliche Leistungen wie z.B. Studium, Parkplätze selbst bezahlen müssen.

Siegmar Mosdorf von der Communication and Network Consulting (CNC) AG sprach zu Chancen und Risiken der Innovationsfinanzierung. Deutschland sei in der Grundlagenforschung gut aufgestellt. Die Verwertung der Ergebnisse finde aber im Ausland statt.

Um dies zu ändern, sei eine neue Kultur der Selbständigkeit notwendig, das bedeutet die Staatsquote selektiv zu senken, mehr selbständig Tätige und andere Finanzierungen. Auch der Generationswechsel im Mittelstand, Wachstumsfinanzierung in Bezug auf den Weltmarkt und der Umbau von veralteten Unternehmensstrukturen erfordern Beteiligungskapital.

Deutschland steht hier erst im unteren Drittel seiner Möglichkeiten. Bisher seien 5.000 Unternehmen mit 800.000 Jobs mit Hilfe von Private Equity finanziert. Risiken für Unternehmen durch kurzfristige Anlagestrategien mit "Heuschrecken" Verhalten seien heute selten. Denn angelsächsische Pensionsfonds suchen mit Private Equity strategische Beteiligungsanlagen. Zur Unterscheidung von schwarzen und weißen Schafen müsse analysiert werden, ob das Unternehmen durch die Aufnahme von Fremdkapital erdrückt wird oder ob die Kapitalzufuhr eine erfolgreiche Neuausrichtung erlaubt.

Insbesondere Start-Ups benötigen Wagniskapital und die Möglichkeit des Verlustvortrags in den ersten 5 Jahren nach der Gründung des jeweiligen Unternehmens. Der Steuerzahler muss sich am Risiko beteiligen. Kapital ist ausreichend vorhanden, es sucht nach attraktiven Anlagemöglichkeiten. Die Politik muss den Kapital-Drain von Fonds-Kapital in Richtung USA, Asien oder Osteuropa verhindern.

Hier finden Sie das Autorenpapier "Grüne Marktwirtschaft".

Eine Kurzfassung des Autorenpapiers in englischer Sprache finden Sie hier zum download.

Zugehörige Dateien:
gruene_marktwirtschaft_gesamt_en.pdfDownload (285 kb)
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