Grüne gegen Bau weiterer Kohlekraftwerke - Grüne Regionalkonferenz fordert: Staudinger verhindern
Kahl. (Kreis Aschaffenburg). "Eine kreative Energiewende statt Kohlekraftwerke" haben in einer Länder übergreifenden Regionalkonferenz am Donnerstag fünf Kreisverbände der Grünen - Aschaffenburg-Stadt und-Land, Offenbach-Land, Main-Kinzig und Miltenberg - in Kahl gefordert. Vor allem der von Eon geplante Bau des neuen Kraftwerkblocks 6 in Großkrotzenburg gelte es zu verhindern.
Die fünf Kreisverbände verabschiedeten eine "Kahler Erklärung", die unter anderem fordert, Planungen und Bau von 40 Kohlekraftwerken in Deutschland, darunter Staudinger in Großkrotzenburg, zu stoppen.
Statt dessen sprechen sich die Grünen für eine stärkere Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung aus, für die eigentumsrechtliche Trennung von Stromnetz und -betrieb, für ein "ambitioniertes regeneratives Wärmegesetz", Energiesparlampen, die Kennzeichnung von Elektrogeräten in Effizienzklassen, ein Tempolimit auf Autobahnen von 120 Stundenkilometern, die Abschaffung der Steuerfreiheit von Kerosin und die Einbeziehung der Luftfahrtemissionen in den Emissionshandel. Außerdem sollten "Gebäudeneubauten ab sofort Niedrigenergie- und Nullenergiehausstandards erreichen"; der Gebäudebestand solle bis 2030 nach dem jeweilig besten Standard saniert werden.
Man müsse sich "gemeinsam wehren gegen die Arroganz von Eon", forderte die Bundestagsabgeordnete Christine Scheel (Hösbach). Ein nichtöffentlich tagendes "Kraftwerksforum", von Eon ins Leben gerufen, könne ein Raumordnungsverfahren für die Erweiterung von Staudinger nicht ersetzen.
Landtagsabgeordneter Thomas Mütze (Aschaffenburg) kritisierte die "sehr unklare Haltung" von Ulrich Reuter, Landrat des Kreises Aschaffenburg. Reuter solle sich "deutlich positionieren", der Kreistag solle das Vorhaben von Eon ablehnen.
"Mit allem möglichen Dreck"
Peter Stahl, Kreistagsabgeordneter im Main-Kinzig-Kreis, präsentierte Berechnungen auf von Eon veröffentlichten Daten. Danach liege der Heizwert der im neuen Block genutzten Steinkohle noch unter der von Braunkohle. Stahl: "Entweder wird die Steinkohle mit allem möglichen Dreck verbrannt oder es wird Steinkohle verwendet, die nur so heißt, aber eigentlich eine Braunkohle ist." Das erweiterte Kraftwerk Staudinger werde acht statt bisher fünf Millionen Tonnen Kohlendioxid und 6000 statt 1200 Tonnen Schwefeldioxid pro Jahr ausstoßen, sagte Stahl. "Das gilt es zu verhindern!"
Rolf Wich, der in Hainburg SPD-Gemeindevertreter ist und dort die Bürgerinitiative "Stopp Staudinger" vertritt, sorgte sich um die "Veränderung der Silhouette", die den umliegenden Gemeinden angesichts eines neuen 180 Meter hohen Kühlturms, eines 120 Meter hohen Kesselhauses und zweier riesiger Kohlelager bevorstehe. Zusammen mit dem Verkehr der Autobahnen und des Flughafens sei die Region "am Rande der Übernutzung". Ursula Hammann, Mitglied des Hessischen Landtags, stellte ein Konzept ihrer Fraktion vor, wonach Hessen bis 2028 ganz auf Atom- und Kohlekraftwerke verzichten könne, nämlich durch neue und effizientere Windkraftanlagen, Solarstromnutzung, Biomasse- und modernere Wasserkraftanlagen und durch die Geothermie. Der neue Staudinger-Block werde von den hessischen Grünen daher "massiv abgelehnt".
Bundestagsabgeordneter Hans-Josef Fell sagte, die Preissteigerungen bei Öl und Gas seien Folge der beginnenden Verknappung. Das in Deutschland verbrauchte Erdgas könne komplett durch Biogas ersetzt werden, habe die grüne Bundestagesfraktion errechnen lassen. Deshalb sei ein Biogas-Einspeisegesetz notwendig. Weil alternative Energien immer billiger würden, verschleudere jeder "Volksvermögen, der heute in Kohlekraftwerke investiert, weil diese in 20 Jahren nicht mehr konkurrenzfähig sind".
Den Ankündigungen der Energiekonzerne, es würden nur noch kohlendioxidfreie Kraftwerke gebaut, dürfe man keinen Glauben schenken: "Bei einer kleinen Anfrage im Bundestag hat die Regierung erklärt, dass sich solche Anlagen erst im Forschungsstadium befinden."
Thorvald Ritter vom Bund für Umwelt und Naturschutz Offenbach rief zu einer "großen Demo" am 30. Juni um 14 Uhr in Offenbach auf: "Ich hoffe, dass die Limesbrücke wackelt."





