Finanzmarktkrise - ein Turmbau zu Babel?

Immer höher steigen die Gewinne, immer vielfältiger werden die Produkte, immer mehr steigen ein, um auch dabei zu sein und ein Schnäppchen zu machen, immer schneller dreht das Rad, immer toller werden die Produkte - und immer undurchsichtiger und gefährlicher, an einer Stelle schließlich macht es knacks und das gesamte Gebilde kommt ins Wanken, gerät in Schieflage, bis das kollosale, riesige, glitzernde Konstrukt in sich zusammen kracht. Noch stehen wir im aufgewirbelten Staub, immer noch stürzen neue Trümmer herab, die Sicht, was alles zerstört ist und noch in sich zusammenstürzen kann, ist noch getrübt, aber das Ächzen und Stöhnen hinter den Rauchschwaden ist vernehmbar. Mit einer seltsamen Selbstverständlichkeit ineinander verwoben sind die Bilder von der Finanzmarktkrise und vom Turmbau zu Babel.

Wir erleben die schwerste Finanzkrise seit den 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts. In den letzten Monaten sind weltweit einige der größten Banken zusammengebrochen und überall wurden milliardenschwere Rettungspakete geschnürt. In den USA haben Hunderttausende von Menschen ihre Häuser verloren. Weltweit sind Millionen von Hunger bedroht und haben ihre Arbeit verloren. Das sogenannte Millenniumsziel der Vereinten Nationen, bis 2015 Hunger und Armut auf der Erde zu halbieren, ist damit jetzt wohl endgültig gescheitert (Am 18. September 2000 verabschiedeten 189 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die sog. Millenniumserklärung). In diesem Fall nicht wegen der Unfähigkeit dieser Organisation, sondern wegen der maßlosen, gierigen Spekulationen der Banker und Manager der Finanzwirtschaft.

Auch unsere Gesellschaft steht derzeit unter dem Eindruck der internationalen Finanzmarktkrise und der damit verbundenen Auswirkungen auf die Realwirtschaft und die Arbeitsplätze. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen sind für Deutschland und Europa und weltweit noch lange nicht absehbar. Aber wir müssen uns wohl auf einiges einstellen. Die Turbulenzen haben an Schärfe zugenommen. Bundespräsident Horst Köhler hat vor kurzem bei einem gemeinsamen Gespräch darauf hingewiesen, dass eine Prognose über die Tiefe der Krise schwer möglich ist. Auch in unserer Region sind schon etliche Firmen und damit auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Viele bangen um ihren Arbeitsplatz. Für etliche gab es schon Kündigungsschreiben.

Viele Menschen verstehen immer noch nicht, wie es soweit kommen konnte und fragen zu Recht, wie so etwas passieren kann! Warum angeblich niemand die Warnzeichen gesehen hat. Wie sich - ausgehend von der Immobilienkrise in den USA - die Situation einiger unserer Banken rapide verschlechtert hat und jetzt niemand dem anderen mehr traut. Selbstüberschätzung - fehlender Bezug zur Realität, denn Geld wird ja "virtuell" bewegt - Managergehälter explodierten, Gehaltsexzesse in den oberen Etagen und in den Spitzen des Vertriebs waren an der Tagesordnung; Geldanleger als Kunden zu beraten - das wurde verdrängt durch rein gewinnorientierte Vertriebstätigkeit, Verkauf von Policen, Derivaten, Anleihen, Fonds und was der Dinge auf diesem Markt noch mehr. Hier hatte sich im Laufe der Jahre ein Markt entwickelt, auf dem nicht nur "Otto-Normalverbraucher" den Überblick verloren hat. Die Sache ist wohl allen über den Kopf gewachsen - ganz so wie bei jenem Turm (und nicht nur bei jenem!):

Immer höher wächst der Turm, schon spielen die Wolkenfetzen im Höhenwind um seine Spitze, "da geht noch mehr, wir kommen noch höher", rufen sich die Menschen zu, die Bau- und Transportleiter, Statiker und die Techniker, die Planer und Organisatoren feuern sich gegenseitig an, sie sind sich sicher: "Da kann ich nur gewinnen, ich werde berühmt, mit diesem Projekt habe ich ausgesorgt, diese Stufen noch, diese Spitze, diese Mauer noch - das ist der ultimative Kick, so etwas hat es noch nicht gegeben, wir machen den Weg frei!" So ähnlich wird er wohl gewesen sein, der Wettbewerb der Wichtigsten und Gewieftesten und Stolzesten um Rekorde und Berühmtheit beim Turmbau zu Babel. Wen kümmert´s, dass während der ganzen Zeit Tausende schon auf der Strecke blieben? Immer wieder stürzten ganze Bautrupps hunderte Meter in die Tiefe, alle waren nicht bezahlte und unterernährte Sklavenarbeiter, von denen keine Öffentlichkeit je Notiz nahm - ähnlich wie heute Zig-Tausende beim modernen Turmbau des 800 m hohen Burj Dubai in den ach so reichen Emiraten, wo sich auch unsere Schickeria ihre langweilige Zeit vertreibt. Jetzt lesen wir, dass das neueste Wahnsinnsprojekt, ein über ein Kilometer hohes Gebäude, das nur mehr Al Burj - Der Turm heißen sollte, vorerst gestoppt wurde. Weshalb? Wegen Geldmangels durch die Finanzkrise! Sage noch einer, die Geschichten der Bibel hätten nichts mit dem Leben zu tun, aktueller geht es nicht.

Wie es in Babel seinerzeit weiterging, ist bekannt; zur Erinnerung sei kurz Genesis 11 (= 1. Buch Mose) zitiert: "Bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel und machen wir uns damit einem Namen!" Die Maßlosigkeit ihres Tuns, die mit einer gigantischen Rücksichtslosigkeit und Selbstüberschätzung verbunden war, hat die Menschen damals in die Katastrophe geführt. Ihr gigantisches Projekt konnten sie irgendwann in seiner Komplexität und in seinen Ausmaßen nicht mehr beherrschen, das Ganze führte ins Chaos - mit unbeschreiblichen Folgen nicht nur für die Verantwortlichen und die direkt Beteiligten, sondern für die gesamte Menschheit. "Der Herr zerstreute sie von dort aus über die ganze Erde und sie hörten auf, an der Stadt zu bauen." Was geblieben ist, sind Spuren und Reste vereinzelter Stümpfe der für das Zweistromland vor dreitausend Jahren typischen Turmbauten, der sogenannten Zikkurats - sofern sie in den vergangenen Jahren noch den amerikanisch-irakischen Krieg überstanden haben.

Aber die Bibel endet nicht mit Hoffnungslosigkeit, sie soll uns Menschen nicht in die Resignation leiten, ganz im Gegenteil. Schon der Regenbogen nach der Sintflut - im ersten Buch Moses die Geschichte unmittelbar vor dem Turmbau - signalisiert, dass es Gottes Wille ist, eine neue Stadt und einen neuen Himmel entstehen zu lassen. Aber damit ist nicht der Rettungsschirm für die Banken gemeint, jedenfalls nicht in erster Linie. Gemeint ist die Hoffnung auf eine wirklich andere Zukunft. Und das geht nicht mit den alten, untergegangenen Wertvorstellungen!

Und genau hier liegt auch die entscheidende Botschaft der wunderschönen religiösen Mythen des Alten Testaments für uns Heutige: Eine Abkehr von den scheinbaren Gewissheiten der letzten Jahre und Jahrzehnte ist unabdingbar. Eine Neuorientierung in Sachen Wirtschaftsethik und Finanzwirtschaft. Maximale Gewinnorientierung und 25 % Rendite waren ein Irrweg! Nur wo der Wert des Lebens und des Miteinander im Vordergrund stehen, kann ein nachhaltiges und menschenwürdiges Finanz- und Wirtschaftssystem entstehen.

Die Katastrophe der Finanzmärkte ist eine Folge ungebremster Spekulationen auf der Basis von Gier bei gleichzeitig fehlender Regulierung und mangelhafter Aufsicht über die Finanzmärkte. Die in den letzten Jahren exorbitant gestiegenen Managergehälter großer Kapitalgesellschaften stehen zu Recht auch deshalb in der Kritik, weil sich die Einkommen in unserer Gesellschaft immer weiter auseinander entwickeln. Dies stößt auf Unverständnis, das sich schleichend gegen den Zusammenhalt in einer Gesellschaft und die Akzeptanz der Marktwirtschaft richtet und den Zerfall von Gesellschaft, Marktvertrauen und Demokratie befördert.

Bankmanager können bislang mit dem Geld anderer Leute spekulieren ohne viel eigenes Risiko: Wenn es gut geht, kassieren sie hohe Bonuszahlungen - wenn es schief geht, ist die Bank pleite und der Staat soll zahlen. Diese Kombination aus großer Verfügungsgewalt, hoher Beteiligung am kurzfristigen Gewinn und geringer Haftung, hat den Aufbau der gigantischen Risiken verursacht.

Viele haben sich beteiligt. Auch Anleger, die hohe Rendite wollen, gehören zu den Beteiligten, nicht nur zu den Opfern… An dieser Stelle fällt einem natürlich noch ein anderer alttestamentlicher Bericht ein: Der vom Tanz um das Goldene Kalb! Wir Menschen lassen uns doch zu leicht auf die falsche Fährte locken und von Glanz und Reichtum die Sinne vernebeln. Verloren zu gehen droht dabei der Gedanke an das ganz andere im Wirken Gottes, der Blick auf unsere innere Mitte und verloren geht etwas vom Menschsein. Mir hat gestern morgen sehr gut gefallen das SZ-Interview mit dem Miltenberger Pfarrer Ulrich Boom, dem neuen Weihbischof von Würzburg. Er sagt da u.a.: "Ein beeindruckendes Bild für mich ist es, wenn ich nach Frankfurt komme. Wenn man diese Türme sieht von Banken und Versicherungen und ganz klein dazwischen den Bartholomäus-Dom. Da sieht man, dass sich die Menschen heute ganz anders absichern, dass sie ihr Vertrauen mehr in Policen setzen. Dabei merken wir: Das hält nicht, was es verspricht!"

Wieder ausrichten auf das, was hält. Es werden jetzt nicht alle Menschen zu Gott finden. Was hält werden aber weder Milliardenrettungsschirme und Konjunkturpakete sein - so wichtig sie jetzt sind, sofern sie richtig, d.h. nachhaltig ausgerichtet sind.

Was halten kann, sind neue Wert-Maßstäbe, die natürlich nicht neu, sondern eigentlich alt, aber verschüttet sind. Auf dieser Basis gilt es das Handeln auszurichten und neue Rahmenbedingungen und Regeln einzufordern, durchzusetzen und einzuführen.

So gilt es z.B. der Maßlosigkeit den Kampf anzusagen. Ein wichtiger erster Ansatz ist hier, bei den maßgeblichen Unternehmen für Transparenz und Kontrollierbarkeit ihres Handelns zu sorgen. Die Bezüge der Spitzenmanager sind z.T. völlig überzogen, vor allem die Boni sind zu stark auf kurzfristigen Erfolg ausgerichtet. Das muss sich ändern. Risikoreiche Spekulationen wurden aus den Büchern ausgelagert, das muss verboten werden. Es werden Milliardensummen bewegt, die sich unserer Vorstellungskraft regelrecht entziehen. Beträge werden abgeschrieben, die größer sind als der gesamte Bundeshaushalt mit rund 280 Mrd. - das kann so nicht bleiben.

Die Wirtschaftskrise ist global, die Finanzmarktkrise offenbart ein globales Marktversagen. Das gleiche Marktversagen, das den Klimawandel treibt, die Welternährungskrise verursacht und sich in der umfassenden Ressourcenkrise niederschlägt. Spekulationen auf den Rohstoff- und Nahrungsmittelmärkten haben die Lebensbedingungen von Millionen Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern verschlechtert. Sie müssen dadurch einen noch größeren Anteil ihres ohnehin schon geringen Einkommens ausgeben. Auch das ist eine Folge fehlender Regulierung der internationalen Finanzmärkte.

In den vergangenen Jahren gab es viele Versuche, diesen Defiziten entgegen zu steuern, populistische, utopische, ernsthaft-realistische. Sie sind weitgehend alle gescheitert. Warum? Die Rahmenbedingungen und Gesetzmäßigkeiten der Finanz- und Wirtschaftspolitik sind im Gegensatz zu den Grundlagen der Naturwissenschaften von Menschen gemacht. Sie werden nicht nur von Vernunft, sondern vielmehr von Interessen bestimmt. Die starke Verankerung des Gedankens von der Freiheit vom Staat hat in den USA historische Wurzeln, die aus ihrer Entstehung verständlich und nachvollziehbar sind.

Aber eine Übersteigerung dieser Idee - wie sie auch politisch in Deutschland vertreten wird - führt zur Ideologisierung und damit zu Blindheit für die Realitäten und gegenüber den Menschen. Die Macht der Neokons in den USA könnte jetzt mit dem Abgang von Präsident Bush überschritten oder zu Ende sein. Die Blütezeit der Neoliberalen weltweit endet damit noch nicht automatisch - aber die Basis, auf der sie ihre Ideologie verbreiten können, bröckelt deutlich. Mancher, der Worte wie Deregulierung gar nicht oft genug im Munde führen konnte, ist mittlerweile ziemlich kleinlaut geworden - oder, schlimmer, ruft als Wendehals jetzt ganz heftig nach dem Staat als Helfer. Immerhin spüren alle, dass sich etwas ereignet hat, was Veränderung erfordert.

Wir sind in einer historischen Krisenphase - und Krise bedeutet in seinem griechischen Ursprung bekanntlich Entscheidung und - mit Entscheidungen verbunden: Wende. Es geht nicht nur um die Entscheidungen zu Konjunkturpaketen. Es muss um grundlegend neue Weichenstellungen gehen, um Entscheidungen, die uns weg bringen von den Grundgesetzen der Maßlosigkeit im finanziellen Gewinnstreben, von Gier und von Arroganz gegen das Soziale und Menschliche.

Was die aktuelle Finanzkrise bzw. die Denkweise und Aktivitäten, die zu ihr geführt haben, mit den Erbauern des Turms von Babel gemein haben, ist ihre Maßlosigkeit, ihre Hybris, wie das die griechische Philosophie und Ethik genannt hat. Da dank Paulus das geistige griechische Erbe in das Christentum Eingang gefunden hat, kann man darauf ja gut verweisen. Denn auch das Neue, das es jetzt anzustreben gilt, hat seine Entsprechung, es ist in der griechischen Philosophie die Dike, gerne als schöne Frau in der Kunst dargestellt, was uns Frauen in diesem Fall freut. Dike weist den Weg aus der Krise, in die neue Stadt der Zukunft, der Menschlichkeit, denn Dike steht für Gerechtigkeit, für eine gute Rechtsordnung. Und genau das ist es, was wir heute brauchen, und zwar weltweit.

Wir werden die neue Stadt, den neuen Himmel und die neue Erde im biblischen Sinn nicht verwirklichen, das wäre ja schon wieder Selbstüberschätzung. Aber wir sind aufgerufen und beauftragt und verantwortlich, alles zu tun, was in unseren Möglichkeiten liegt. Und überall da, wo es um menschliche Regeln und von Menschen bestimmbare Rahmenbedingungen geht, können und müssen wir handeln. Wir werden nicht Egoismus und Gier aus der Welt schaffen können, aber wir können sie zügeln, in die Schranken weisen durch neue und andere Regeln auf den Weltfinanzmärkten. Denn für diese Regeln sind wir als Menschen selbst verantwortlich.

Dabei - und das ist mir mit meinem persönlichen und politischen Hintergrund äußerst wichtig - dürfen wir jetzt den Blick nicht verengen auf den Bereich Finanzmarkt! Dafür fehlen Regeln ebenso wie für eine Klima schonende und gerechtere Lebens- und Produktionsweise. Und gerade in diesen Zeiten müssen die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels, der Verschleuderung unserer Ressourcen und der Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen mitgedacht werden. Allein die Tatsache, dass das Klimaschutz- und das Konjunkturpaket auf dem letzten EU-Gipfel in Brüssel im Dezember 2008 getrennt voneinander verhandelt wurden zeigt, wie noch immer Ökonomie und Ökologie als Gegensätze aufgebaut werden. Das ist der völlig falsche Weg!

Wir brauchen einen neuen Ordnungsrahmen. Es darf im Finanzbereich keine aufsichtsfreien Räume mehr geben.

Unsere Marktwirtschaft ist in einer Krise und das nötige Vertrauen nicht mit Geld aufzubauen. Wir brauchen eine Orientierung der Finanzmärkte an Nachhaltigkeit. Soziale und ethische Aspekte müssen im Vordergrund stehen. Der Klimawandel ist längst kein rein wissenschaftliches Drohszenario mehr, sondern erschreckende Realität. In vielen Entwicklungsländern wächst die Armut und wird zum grenzüberschreitenden Politikum. Der wirtschaftliche Aufschwung in Schwellenländern wie Indien oder China produziert große Umweltschäden. Dennoch dürfen wir nicht vergessen: Die Länder des Nordens sind die Hauptverursacher von Klimachaos und Biodiversitätsverlusten.

Unsere Kirche hat dabei eine besondere Rolle. Ihr Auftrag ist die Verantwortung, unsere Schöpfung zu bewahren, den Menschen Orientierung in schwierigen Zeiten zu geben und sich nicht von kurzfristigem Gewinnstreben leiten zu lassen, sondern immer das Wesentliche in den Blick zu nehmen. Eine Welt, die für unsere Kinder lebenswert ist. Eine Welt, die arme Länder nicht ausbeutet, sondern den Menschen hilft. Dies gilt auch für eine Unterstützung besserer Lebensbedingungen durch Energiespartechnik und Energienutzung, die sie nicht abhängig macht, sondern selbstbestimmt leben lässt.

Die Art und Weise, wie wir produzieren, transportieren, wohnen und leben, müssen wir grundlegend ändern. Deutschland ist eines der bedeutendsten Industrieländer und gleichzeitig eines der größten Energieverbraucher weltweit. Wir stehen in der Verantwortung mit gutem Beispiel voranzugehen und Vorreiter einer umweltverträglichen und klimagerechten Lebens- und Wirtschaftsweise zu sein. Dafür werden Anforderungen an alle gestellt - Wirtschaft und Industrie, Haushalte, Gewerbe, Verkehr, Freizeit. Nicht die PS und die Geschwindigkeit dürfen im Vordergrund stehen, sondern der Verbrauch und die CO²-Bilanz.

Auch eine Ernährung mit regional angebauten Produkten hilft, überflüssige Transportwege zu vermeiden. Beim Bioanbau wird zudem nur etwa die Hälfte der Energie gebraucht und Lebensmittel aus dem Ökolandbau schonen unsere Ressourcen.

Die Erschütterungen der Finanzmarktkrise wie die des Turmbaus könnten uns wieder erden, dazu führen, dass wir wieder festen Boden unter die Füße nehmen. Den Blick auf das Wesentliche richten: auf die natürlichen und sozialen Grundlagen unseres Lebens.

Kirchen und christliche Einrichtungen legen ihr Geld vermehrt in ethisch-ökologischen Fonds an. Die Diskussion wird in der bayerischen ev. Landeskirche, wie in vielen anderen Landeskirchen seit vielen Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit geführt..

Inzwischen gibt es Öko- und Umweltbanken, Geldinstitute bieten Fonds an, die sich nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien orientieren Mikrokredite für Kleinunternehmen sind Thema. Vor allem auch in Entwicklungsländern kann damit viel erreicht werden.

Beispiel ev. Landeskirche: Um eine nachhaltige Geldanlage zu ermöglichen, beschritt die Landeskirche neue Wege (ausgelöst durch eine Tagung 2002 im niederländischen Soesterberg zum Thema Globalisierung). Auf Initiative vom landeskirchlichen Finanzchef (Claus Meier) entwickelte die private HSBC-Bank einen neuen Fonds, der sich nach strengen Kriterien der Nachhaltigkeit orientieren soll. Mit dem sogenannten INIK-Fonds (Initiative für nachhaltiges Investment der Kirche) wird in Unternehmen investiert, deren Geschäftsmodell mit christlichen Grundsätzen vereinbar ist. So ein Fonds ist eine komplizierte Angelegenheit. Die Unternehmen müssen nach einem bestimmten System bewertet werden. Demnach soll das Geld nicht investiert werden in Unternehmen, die in der Waffenindustrie oder in der embryonalen Stammzellforschung aktiv sind. Eine weitere Steuerungsmethode ist die Förderung bestimmter Themen. So setzt der INIK-Fonds auf Investitionen im Bereich Energie, Klimawandel und Wasser. Gefördert werden Unternehmen, die mit neuen Technologien gegen den drohenden Wassermangel vorgehen, oder sich mit intelligenter Raumplanung beschäftigen und so die Rodung von Waldflächen vermeiden helfen. Man schätzt, dass jährlich 5 Mio. Kinder und Erwachsene an Wassermangel sterben. Die Frage der Nachhaltigkeit ist auch eine Sozial- und eine Menschenrechtsfrage.

Das Interesse ist gewachsen, nicht ausschließlich gewinnorientiert anzulegen. Man will mit seinem Geld nicht die Rodung des Regenwaldes, Kinderarbeit, ausbeuterische Arbeitsbedingungen oder Waffen in Händen von Diktatoren finanzieren. Jede Entwicklung soll gleichermaßen: Ökologische Stabilität wahren, ökonomischen Wohlstand fördern und soziale Sicherheit gewährleisten.

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